Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen.(Heiner Geißler)

Frauen verdienen mit durchschnittlich 2.538 € genau 697 € monatlich weniger als Männer, das sind 21 Prozent. In Europa weisen nur Österreich und Tschechien einen größeren Lohnunterschied auf.

Diese 21 Prozent werden regelmäßig zitiert http://www.zeit.de/2012/25/Analyse-Frauen , oft fälschlicherweise nahelegend, Frauen würden für gleiche Arbeit so viel weniger Geld bekommen als Männer. http://www.n-tv.de/wirtschaft/Frauen-verdienen-viel-weniger-article5677866.html

Es stimmt zwar, dass Frauen bei gleicher Arbeit weniger verdienen (vielleicht  aber auch nicht, dazu später), es sind aber nicht 21 Prozent.

Wie aber kommt es zu dieser Zahl?

Zum Glück gibt es diesmal keinen Streit über unterschiedliche Studien, alleinige Referenz ist das Bundesamt für Statistik in Wiesbaden. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/VerdiensteArbeitskosten/Verdienstunterschiede/VerdienstunterschiedeMannFrau5621001069004.pdf?__blob=publicationFile

Der Gender pay gap bezeichnet den Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttolohn von Frauen und Männern und wird aus den Lohnstammdaten der Betriebe ermittelt. Jeder Betrieb mit zehn oder mehr Beschäftigten muss seine Personalstandsstatistik monatlich an das Bundesamt für Statistik abgeben. Während geringfügig Beschäftigte und Teilzeitarbeitende in die Erhebung mit einfließen, werden alle Selbständigen und Mitarbeiter in kleinen Betrieben nicht berücksichtigt. Ferner werden aus bestimmten Gründen die Beschäftigten in Land- und Forstwirtschaft, beim Militär und der Sozialversicherung nicht einbezogen.

Diese Lohnstammdaten von drei Millionen Arbeitnehmern werden im Referenzmonat Oktober herangezogen, da es dann meist kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld gibt. Es muss der Bruttolohn sein, denn Netto würde wegen Ehegattensplittings das Ergebnis verändern. Solche und andere Tücken, sowie die Entscheidung, welche statistischen Formeln angewandt werden, nämlich die Oaxaca-Blinder-Dekomposition, entscheiden über das Endergebnis.

Ausgehend vom Durchschnittslohn aller Beschäftigten, – ohne die oben genannten Ausnahmen, die in etwa ein Drittel aller Arbeitnehmer ausmachen-, egal, ob Münchner Managerin in den Mitfünfzigern oder 20-jähriger Gabelstapelfahrer in Teilzeit aus Chemnitz, beträgt der Gender pay gap 23 Prozent.

Interessiert man sich jedoch für gleichen Lohn für gleiche Arbeit bei gleicher Qualifikation, gleicher Berufserfahrung etc. gilt es,  den bereinigten Gender pay gap zu ermitteln. Dabei werden alle Parameter herausgerechnet, die eine unterschiedliche Entlohnung auslösen wie Alter, Wohnort, Wirtschaftszweig und Beruf.

Die Statistiker fragen also nicht in den Betrieben nach, ob Frau B. und Herr C. in der gleichen Position unterschiedlich verdienen. Sie vergleichen aus den Lohnstammdaten Berufe, die gleichwertige, nicht die gleiche, Arbeit verrichten. Die gleichwertigen Berufe sind nach der Euronorm ISCO 08 festgelegt, der internationalen Standardklassifikation der Berufe. http://www2.warwick.ac.uk/fac/soc/ier/research/links/isco88/german/gruppe/

Doch wie genau sind diese Einteilungen? Welche gleichwertige Arbeit entspricht der Tätigkeit eines Vorfeldarbeiters auf dem Frankfurter Flughafen?

Das Bundesamt für Statistik rechnet also diese Faktoren nach ihrer Methode hinaus. Vor allem Erziehungszeiten und der hohe weibliche Anteil an nicht so gut bezahlten Berufen wie Floristin, Kosmetikerin und Erzieherin, bzw. Sozial- und Geisteswissenschaftlern, sowie der geringe weibliche Anteil an eher besser bezahlten Berufen wie Mechatroniker, Industrietaucher, Starkstromelektriker, bzw. Maschinenbauer und Informatiker erklären rund 60 Prozent des Lohnunterschiedes von 23 Prozent.  Übrig bleibt danach der von Statistikern so genannte „unerklärte Rest“. Demnach verdienen Frauen bei gleichwertiger Arbeit durchschnittlich acht Prozent weniger als Männer.

Doch liest man die komplette Bundesamt für Statistik-Studie „Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen“ von Claudia Finke genauer, stößt man auf die Bemerkung, dieser bereinigte Gender pay gap von acht Prozent sei als „oberster Wert“ anzusehen, d. h. in Wahrheit wohl niedriger. Denn aus bestimmten Gründen geben die Lohnstammdaten z. B. keine Auskunft über die tatsächliche Berufserfahrung, es wird eine potenzielle Berufstätigkeitszeit angenommen, so dass mögliche Ausfallzeiten bei Kindererziehung in die angenommene Lebensarbeitszeit mitgerechnet werden.

Außerdem werden keine unbezahlten Überstunden eingerechnet. Da Männer durchschnittliche drei Stunden monatlich mehr unbezahlte Arbeit leisten, und diese drei Stunden zufälligerweise genau acht Prozent ausmachen, hieße das  -wenn man die tatsächlich geleistete Arbeitszeit auf die Entlohnung umschlüge- Männer und Frauen verdienen gleich viel.

Kommentare zu: "Frauen verdienen 21 Prozent weniger als Männer.Wirklich?" (2)

  1. …aber es findet sich dennoch immer irgendwo eine Jemandin, die alles im Sinne des Postulats der ewigen Frauenunterdrückung umdeutet: https://rheinsalon.wordpress.com/2012/04/17/was-von-der-diskriminierung-ubrig-bleibt/

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  2. Falschzahlen sind mir schon häufig über den Weg gelaufen. Besonders traurig wird es, wenn diese von einem Journalisten vom anderen einfach ungeprüft abgeschrieben werden. So zum Beispiel bei den Statistiken zur Anzahl der Kuckuckskinder pro Jahr.
    http://kuckucksvater.wordpress.com/2011/02/28/wieviele-kuckuckskinder-werden-jahrlich-in-deutschland-geboren/

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