Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen.(Heiner Geißler)

Erschütterndes Dokument eines verrottenden Rechtssystems

Buchtipp Neuerscheinung Oktober 2012:

»Recht und Gerechtigkeit«
von Jörg und Miriam Kachelmann
Buchvorstellung von Ursula Prem
Am 20. März 2010 wurde der bekannte Wettermoderator Jörg Kachelmann wegen des Verdachts der Vergewaltigung am Frankfurter Flughafen verhaftet. Nach 132-tägiger Untersuchungshaft und anschließendem Prozess vor dem Landgericht Mannheim wurde er am 31. Mai 2011 rechtskräftig freigesprochen. Nun ist sein Buch »Recht und Gerechtigkeit« erschienen, in welchem er selbst und seine Frau Miriam aus ihrer Sicht von den Ereignissen berichten. Ein überfälliger Schritt, um die Deutungshoheit über das eigene Leben zurückzugewinnen, nachdem sie über zwei Jahre lang weitgehend in den Händen einer enthemmten Presse gelegen war, die ihre Beute in Aasgeiermanier genüsslich ausgeweidet hatte.

Nein, die Journaille hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert in diesem Fall. Die inoffizielle »Vierte Gewalt« im Staat hat sich ganz unverblümt von ihrer übelsten Seite gezeigt, um so das Problem sinkender Auflagen und Umsatzzahlen wieder für einige Monate erfolgreich zu entschärfen. Zu gut auch die Gelegenheit, an einer echten Sensation teilzuhaben, die Nase unter die Bettdecke eines Promis zu stecken und in Millionenauflagen darüber zu spekulieren, welche psychologischen Untiefen wohl in einem stecken könnten, der mit frechen Sprüchen das Wetter ansagt. Stand Kachelmanns saloppes Äußeres früher für eine autarke Persönlichkeit, der modische Trends erfrischend gleichgültig waren, erfuhren solche Eigenheiten nun eine schlagartige Umwertung: Ungepflegt wirkt er ja schon. Und sein Auto ist auch vermüllt. Wäre es nicht naheliegend, dass so einer auch Frauen vergewaltigt?
Justizskandal um Kachelmann
Während die Gerüchteküche für Umsatz und Euphorie in den großen Pressehäusern sorgte, versuchte sich die Justiz an einer Aufarbeitung des Falls. Die Betonung liegt auf »versuchte«. Denn was Jörg und Miriam Kachelmann in ihrem Buch zusammengetragen haben, ist nicht mehr und nicht weniger als der Beleg für einen gewaltigen Justizskandal, der sich vor unsrer aller Augen abspielte, während die Presse mit Fehlinformationen und Nebelwerfern um sich ballerte.
Wer sich mit voyeuristischer Neugier an die Lektüre des Buches macht, wird wahrscheinlich von dem Werk enttäuscht sein. Wer verkappte Pornografie sucht und auf pikante Einzelheiten hofft, sollte sich lieber an »Shades of Grey« halten. Auch Material für neue Gerüchte wird man in »Recht und Gerechtigkeit« nicht finden. Sensationsgeier, Dreckwühler und Aasfresser werden durch die Fülle der Fakten sicher enttäuscht sein. Wer jedoch mit Scheuklappen durchs Leben läuft, weil er im Hinterkopf auf die Gerechtigkeit eines Justizsystems hofft, das ihn bei Bedarf schon aus dem Dreck ziehen wird, der sollte sich das Buch nicht entgehen lassen: Es könnte ihn dazu bringen, künftig besser auf sich aufzupassen!
Skrupellose Schmierfinken verarschen ganze Nation
»Recht und Gerechtigkeit« ist keine leichte Lektüre. Lange Auszüge aus Prozessakten im typischen Juristendeutsch verlangen nach konzentriertem Lesen. Doch die Mühe lohnt sich, will man das Ausmaß verstehen, in welchem wir von den skrupellosen Schmierfinken der großen Zeitungen verarscht wurden. Ob es bei politischen Themen, die uns alle angehen, wohl anders sein mag?, fragt man sich unwillkürlich, wenn man die explosive Mischung aus reinen Lügen und mäßig entstellten Wahrheiten zum Fall Claudia Dinkel betrachtet, mit denen wir bis zum Kotzen angefüttert wurden.
Umfangreiche Details darüber, wie die angeblich Geschädigte und Nebenklägerin Claudia Dinkel sich im Laufe des Prozesses in Widersprüche verwickelte, haben Jörg und Miriam Kachelmann mit Originalzitaten aus den Akten in ihrem Buch dokumentiert. Auch die gesellschaftlichen Verstrickungen des Schwetzinger Kleinstadtsumpfs werden im Detail belegt. Das Material enthält vieles, was von der Presse bis heute nicht adäquat kommuniziert wurde. So mag es manchen Beobachter überraschen, dass tatsächlich niemals DNA-Spuren von Kachelmann an dem Messer gefunden wurden, mit dem er sein angebliches Opfer bedroht haben soll. Dass in den großen Zeitungen gegenteilige Gerüchte gestreut wurden, zeigt, dass sich die Lektüre von Zeitungen nicht lohnt: Wir werden grundsätzlich und in großem Stil von ihnen belogen und manipuliert.
Miriam Kachelmann: Co-Autorin mit eigenständiger Persönlichkeit
Co-Autorin und Kachelmann-Ehefrau Miriam trägt erstaunlich klarsichtige psychologische und juristische Analysen zum Buch bei. Gleichzeitig erweist sich, dass die junge Psychologiestudentin mit ihren damals 24 Jahren eine erstaunlich erwachsene und emanzipierte Akteurin von hoher Intelligenz und Eigenständigkeit abgegeben hatte. Eigenschaften, die man bei den meist etwas älteren »Lausemädchen« vermisste, die der Allgemeinheit großteils suggerieren wollten, dass sie selbstverständlich auf Heirat und Familiengründung mit dem Wettermoderator gesetzt hätten und sich aufgrund seiner Untreue gezwungen sahen, ihre jeweilige Geschichte meistbietend zu verhökern. Dass sie damit genau das zementierten, worüber sie sich in heuchlerischer Weise mokierten: den angeblichen Opferstatus von Frauen als minderbemittelte Hascherl, kam vielen von ihnen wohl nicht in den Sinn.
Alice Schwarzer – Spießbürgerin im Zeichen der lila Latzhose?
Eine meiner größten Enttäuschungen in diesem Zusammenhang ist es, dass ausgerechnet Oberfeministin Alice Schwarzer sich im Fall Claudia Dinkel zu einer Art Kämpferin für die Wiedereinführung des Kranzgeldes hochstilisiert hat. Anders lässt sich folgendes Zitat von Alice Schwarzer nicht erklären, das sich auch im Kachelmann-Buch wiederfindet:
»Eines ist vermutlich kein Zufall: Dass die Eheschließung ausgerechnet jetzt eine weitere Ohrfeige ist für die zahlreichen Frauen, die Kachelmann über Jahre miteinander betrogen hat. Und die nun auch noch öffentlich gedemütigt sind. Denn trotz alledem hatte sich die eine oder andere noch immer Hoffnungen gemacht … «
Was will Schwarzer damit sagen? Dass Frauen nun mal ein Recht darauf haben, vom Mann ihrer Wahl geheiratet zu werden, weil sie es alleine einfach nicht bringen? Wurde die Frauenbewegung ein halbes Jahrhundert lang von einer heimlichen Spießbürgerin angeführt, oder wie ist das zu verstehen? Muff aus dem 18. Jahrhundert in lila Latzhosen?
Es kann jeden von uns treffen
Nach der Lektüre des Buches »Recht und Gerechtigkeit« bleibt das beklemmende Gefühl, dass wir uns bei aller vermeintlichen Sicherheit zwischen den Rädern einer gewaltigen Mühle bewegen, die jederzeit anlaufen und jeden von uns zermahlen kann: Haben sich Justiz und Presse erst gemeinschaftlich warmgelaufen, gibt es kein Entrinnen mehr! Um das Räderwerk in Gang zu setzen, genügen eine einfache Falschbeschuldigung und ein paar billige Manipulationen, um jemanden erst mal für volle 132 Tage ohne Gerichtsurteil in den kakerlakenverseuchten Bau zu bringen und ihn danach zerpflücken zu lassen, bis von seinem Leben nichts mehr übrig ist. Schöne Aussichten für viele von uns. Denn Jörg Kachelmann wird sicher nicht der Letzte gewesen sein, dem solches passiert in einem Land, das an Überregulierung erstickt, aber zur Gerechtigkeit unfähig erscheint.
Jetzt bei amazon bestellen:
»Recht und Gerechtigkeit: Ein Märchen aus der Provinz« von Jörg und Miriam Kachelmann, erhältlich auch als Kindle-Edition (welcher leider ein aktives Inhaltsverzeichnis fehlt, was die Lektüre selbst jedoch nicht schmälert.)
Und hier noch ein Interview von Jörg Kachelmann:
07.10.2012

Jörg Kachelmann im SPIEGEL-Interview „Verleumdungen sind heute eine beliebte Waffe“

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/joerg-kachelmann-erhebt-im-spiegel-interview-schwere-vorwuerfe-a-859962.html

Und natürlich läßt sich die Oberfeminstin A.Schw. in ihrer  Streitschrift genannt EMMA über J.Kachelmann aus:

Kachelmann versus „Opferindustrie“

Eine Verhöhnung von Rechtsstaat & Opfern

http://www.emma.de/news-artikel-seiten/kachelmann-versus-opferindustrie/

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Schlagwörter-Wolke

%d Bloggern gefällt das: