Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen.(Heiner Geißler)

18.11.2012

Ende der Männervorherrschaft Frauen, überall Frauen! Und stellen auch noch Forderungen!

Eine Kolumne von Silke Burmester

Mitt Romney: Angelsächsische Macho-WerteZur Großansicht

DPA

Mitt Romney: Angelsächsische Macho-Werte

Das Zeitalter des weißen Mannes endet: Mitt Romney dürfte der letzte US-Präsidentschaftskandidat gewesen sein, der unverhohlen auf klassisch angelsächsische Macho-Werte setzte. In Deutschland drängen währenddessen die Frauen auf Quote und Teilhabe an der Macht.

Lieber tapferer, weißer Mann!

Seitdem der Affe die aufrechte Fortbewegung gelernt hat, warst Du das Wesen der Stunde. Stark, dominant und zum Führen geboren. Weil Führen quasi Deine Natur ist und die Dominanz über Frauen nur die halbe Miete, bist Du mit Freude in die Ferne aufgebrochen und hast Dir die Ureinwohner ganzer Kontinente untertan gemacht. Und nun ist alles hin. In quasi nur einer Woche bist Du vom Olymp des Superhelden herabgestürzt, um als armes kleines weißes Männerwürstchen übrig zu bleiben. Die 46. Kalenderwoche des Jahres 2012 wird als Deine Schicksalswoche in die Geschichtsbücher eingehen: Sie läutet den Anfang Deines Endes ein.

Konntest Du in den vergangenen Jahren in der US-Fernsehserie „Mad Men“ noch einmal sehen, wie schön es früher war – konkurrenzloses Abgott-Dasein in Ermangelung der Akzeptanz Andersfarbiger, Frauen in der Küche statt bei der Arbeit – und wenn am Schreibtisch, dann nach Dienstschluss auf dem eigenen, liegend; auf Betriebskosten ab mittags dun als Zeichen der guten Sitten – siehst Du jetzt im Spiegel das Abbild einer Spezies im Untergang.

Hatten die Frauen Dir seit gut hundert Jahren das schöne Dasein bereits etwas madig gemacht, in dem sie das Wahlrecht für sich erkämpften, das Recht, unabhängig von Deinem Einverständnis ein Bankkonto zu führen und sogar Geld zu verdienen, und hatten dann auch irgendwann noch die Schwarzen behauptet, die Menschenwürde gelte auch für sie, hat ein einziges Wahlergebnis die Tür, hinter der Dein Machtanspruch in unkontrollierte Höhen herangewachsen ist, zugeschlagen: die Niederlage Mitt Romneys. Es war das letzte Mal, darin sind sich die Klugen einig, dass ein weißer Mann mit weißer Denke – Aufteilung der Welt in heterosexuelle Männer auf der einen Seite, Frauen, Farbige, Einwanderer, Homos und Behinderte auf der anderen – versucht hat, mit eben dieser Haltung Mehrheiten zu akquirieren.

Strauß Rosen von Blume 2000

Und als wäre es nicht genug, dass im Land der unbegrenzten Möglichkeiten die unbegrenzten Möglichkeiten jetzt auch für andere als Dich gelten, fliegt Dir dein Überlegenheitskonstrukt auch noch hier in Europa, ja sogar in Deutschland um die Ohren.

Frauen. Überall Frauen. Und die benehmen sich schlecht. Fangen an, Forderungen zu stellen, für die sie erst mal die Gesetze verbiegen. Die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Viviane Reding, hat im vierten Anlauf einen Gesetzesvorschlag zur Quote für börsennotierte Unternehmen durchgebracht. Dessen Umsetzung allerdings noch am EU-Parlament und Ministerrat scheitern könnte. Jetzt, an diesem Wochenende, haben die Weiber des deutschen Pro-Quote-Vereins, die süße 30 Prozent Führungsfrauen in den Medien fordern,die „taz“ übernommen und füllen Seite um Seite mit ihrem Anspruch auf Teilhabe.

Aber das Schlimmste wird für Dich, weißer Mann, sein, dass nicht mal mehr auf Deine genetischen Brüder Verlass ist: Am Donnerstag haben die Chefredakteure des „Stern“ bekanntgegeben, dass sie eine Frauenquote einzuführen gedenken. Dass sie den Männeranteil in Führungspositionen auf 50 Prozent reduzieren wollen. Testosteronabbau als Zeichen der Zeit. Wobei sie offengelassen haben, welche zwei der vier zur Chefredaktion zählenden Herren gehen werden.

Und das alles in einer Woche! Jahrtausendelange Bemühungen in sieben Tagen dahin!

Eben noch bling-bling und geiles Brusthaar, bist Du jetzt der Trottel der Kompanie. Männer mit mehr Farbpigmenten, Frauen, ja sogar kleine Mädchen im Einhornkostüm ziehen lachend an Dir vorbei, die Zukunft der Welt zu gestalten. Und Du stehst da, mit Deiner Aktentasche und dem Strauß Rosen von Blume 2000 in der Hand und kannst zugucken, wie der Zug ohne Dich abfährt. Der Wind trägt das schallende Gelächter seiner Insassen an Dein Ohr.

Tränen in die Tastaturen

Das macht natürlich wütend. Oh, das macht so sauer! So willst Du nicht mit Dir umgehen lassen! Denen willst Du es zeigen! Also wirst Du noch einmal Deine Kräfte sammeln, wie eine kranke Birke, die in ihrem letzten Sommer noch einmal so richtig absamt, und wirst Dein gesamtes Potential aufbieten. Entsprechend gehe ich davon aus, dass uns eine Macho-Welle bevorsteht.

Und eine Klagewelle. Die ersten Medien geben bereits Tipps, wie Männer gegen den Anspruch der Frauen auf berufliche Teilhabe vorgehen können, dort tropfen erste Tränen in die Tastaturen. Sie beklagen, dass Männer auf Jahre hin systematisch von Arbeitsplätzen oder Führungspositionen ferngehalten würden. Ein Ausruf, der in den Ohren von Frauen zum Brüllen komisch ist. Und in der Forderung der Frauen nach einer Quote mündet. Nicht nur in den Aufsichtsräten und den Medien. Auch an anderer Stelle rüsten die Damen auf, das unbeliebte Instrument in Stellung zu bringen.

Und nun Du. Dem Leitartikel der „Zeit“ zufolge, stehst Du abgeschlagen, an den Rand des Geschehens gedrängt und schaust praktisch Deiner eigenen Beerdigung zu. Und sollst dabei auch noch freundlich bleiben. Sicher, es wird noch ein, zwei Jahrzehnte dauern, bis Dein Modell auch in Deutschland ausgelaufen ist. Bis Du einer sein wirst, der sich einfügen muss, wenn er mitspielen will.

Ja, das ist für einen wie Dich, so ein Erfolgsmodell, natürlich äußerst traurig. Einerseits. Andererseits, mein Lieber, ist es eine Chance. Ein paar von Dir haben das schon begriffen. Sie erfreuen sich zunehmender Beliebtheit unter denen, die dabei sind, die Gesellschaft zu verändern. Und so fügt es sich wohl wie von selbst: Diejenigen, die die Zeichen der Zeit verstehen und sich nicht gegen die Mehrheit der Bevölkerung stellen, werden zusammen mit den anderen eine Menge Spaß haben. Diejenigen, die meinen, sich am untergehenden Schiff festhalten zu können, werden als traurige Gestalten zusammen mit ein paar blöden Neonazis und Kristina Schröder übrig bleiben.

Nun ist es an Dir, Du tapferer weißer Mann, Dich zu entscheiden: Auf welcher Seite möchtest Du stehen?

Zur Person:

  • Eva Häberle

     

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/silke-burmester-ueber-frauen-und-das-ende-der-zeit-des-weissen-mannes-a-867733.html#ref=rss

Kommentare zu: "Frauen, überall Frauen! Und stellen auch noch Forderungen!" (3)

  1. Jessica schrieb:

    Boah, das ist aber ganz schön bissig. Und diese Worte kommen von einer Frau (Überraschung?!?).
    Wo bleibt die Gegenwehr des Mannes gegen die Quote? Den letzten Endes zählt doch die Qualifikation und nicht das Geschlecht!

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  2. ekelhafte kolumne!

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  3. Michael Baleanu schrieb:

    „Verbiegen der Gesetze“ = Rechtsbeugung

    „Frauen. Überall Frauen. Und die benehmen sich schlecht. Fangen an, Forderungen zu stellen, für die sie erst mal die Gesetze verbiegen.“

    Ein verbogenes Gesetz ist eine Ohrfeige an die Demokratie und an den Humanismus.

    Dass unsere Juristen und Politiker keine Ahnung von Gerechtigkeit oder Gesetze haben, wurde durch den Fall Zaunegger, §1626 a BGB, DISKRIMINIERUNG der Väter nicht ehelicher Kinder eindrucksvoll bewiesen.

    Dass den Männern bereits das aktive und passive Wahlrecht mit §16 BGleiG genommen wurde, scheint nicht jedem bekannt zu sein?!

    Dass die „Feministische Rechtstheorie“ den Rechtsstaat zerstört hatte Frau Babette Francis schon 1997 dargelegt: http://web.archive.org/web/19991001132403/http://www.zeit-fragen.ch/ARCHIV/ZF_38/TTI.HTM

    Ein zerstörter Rechtsstaat ist aber eine Diktatur!

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