Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen.(Heiner Geißler)

 

Interview | Dagmar Buchta, 13. Jänner 2013, 18:00

Wohin führt der rosarote Warenmarkt mit Lillifee, Barbie und Co.? Stevie Schmiedel von „Pinkstinks“ über den Backlash zwischen Puppenküche und Baukasten

Das kennen wir nur allzu gut: Rosa für Mädchen, Hellblau für Buben. Die visuelle Verdeutlichung des Geschlechts mittels Farben ist ein alter Hut. Ebenso, wie die geschlechtsspezifische Ausrichtung der Spielzeugwelt von jeher sorgfältig zwischen Puppenküche und Baukasten unterscheidet. Doch während die Produkte vor einigen Jahren noch in farblicher Vielfalt angeboten wurden, ist das heute anders.

Die Welt der Mädchen ist jetzt pink. Pink und nichts als pink. Vom Bällchen bis zum Püppchen, vom Handy bis zum Laptop: Alles ist rosa gefärbt. Warum ist das so? Aus der psychologisch begründeten Wirkung von Farben wissen wir, dass Rosa beruhigt und besänftigt, einfühlsam macht und sogar die Fürsorglichkeit anregen soll. Ideal also, um patriarchale Attribute von Weiblichkeit zu fördern. Um den Hintergründen und Wirkungen der „Pinkifizierung“ näher zu kommen, befragten wir Stevie Schmiedel, Gründerin des Vereins Pinkstinks, der sich für die Sensibilisierung gegenüber Produkten einsetzt, die Mädchen eine limitierende Geschlechterrolle zuweisen. Die promovierte Genderforscherin ist Lehrbeauftragte an der Uni Hamburg und Mutter zweier Töchter.

dieStandard.at: Seit wann ist eine Pinkifizierung der Warenwelt zu beobachten?

Schmiedel: Es begann in den 1970ern und verstärkte sich in den 1990ern. Während Lego in den 1950ern noch für alle Kinder gleichermaßen vermarktet wurde, glaubt heute keiner, dass Mädchen mit Bauklötzen spielen, wenn sie damit nicht Cupcakes backen und Beauty-Salon spielen können – bitte in Rosa.

dieStandard.at: Ist dieser Trend Abbild erstarkender Rollenbilder?

Schmiedel: Nein, aber sich verändernder Rollenbilder. Heute arbeiten mehr Frauen als in den 1950ern, mehr Männer helfen im Haushalt mit, und schleichend kommen Frauen auch in Führungspositionen an. Damit ist Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht, aber wir sind definitiv weiter als in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Der Trend der Pinkifizierung ist ein Abbild der Angst vor dieser Veränderung, nicht nur der Männer, auch die Frauen sind sich in den neuen Rollen noch nicht sicher. Und die Marktwirtschaft nutzt diese Angst aus.

dieStandard.at: Mit einem Backlash, der sich hinter rosa Fassaden verbirgt?

Schmiedel: Ja, deshalb wird es spannend sein zu sehen, was dieser starke Backlash in der Spielwarenwelt mit unseren Geschlechterrollen anstellen wird.

Und hier geht’s weiter:

http://diestandard.at/1356427440815/Pinkifizierung-ist-ein-Abbild-von-Angst

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